💼 Beruf
💪🏻 Es ist niemals zu spät!
Ihr könnt euer Leben jederzeit in eine neue Richtung lenken - es ist niemals zu spät dafür. Mein ganzer beruflicher Werdegang begann tatsächlich erst in meinen 30ern. Davor habe ich meine Zeit mit Aushilfsjobs verbracht (Eiscafé, McDonald´s, UPS, Ranger Marketing, Lidl).
💩 Lernt Schei**e zu fressen
Ihr könnt nach der Ausbildung oder dem Studium kein Gehalt von 5k im Monat erwarten - ihr seid wertlos. Sorry. Ihr habt nur theoretisches Wissen und keinerlei Berufserfahrung. Und nein - Praktika oder Praxissemester zählen nicht. Würdet ihr euch selber einstellen?
Nehmt einen Job an, der euch in Bezug auf praktische Skills weiterbringt und schaut nicht primär nach dem Geld. D.h. natürlich nicht, dass ihr euch komplett versklaven lassen sollt aber lasst euch auch keine Chance entgehen.
🥼 Erfahrung > Gehalt
Berufserfahrung ist immer mehr Wert als eine anfänglich hohe Bezahlung. Schaue also nach dem Studium oder der Ausbildung nicht direkt danach, wo ihr am meisten verdienen kannst, sondern wo ihr am meisten lernen kannst. Später zahlt sich diese Erfahrung aus, auch mit einem angemessenen Gehalt.
🤦🏻♂️ “Aber ein Freund von mir verdient…”
Ja, wir kennen sie alle. Haben in der Schule gut/schlecht abgeschnitten und einen Job bekommen, der überdurchschnittlich gut bezahlt wird. Dies ist NICHT die Regel und kann nicht dein Maßstab sein.
- Vielleicht hatte die Person Hilfe in Form von Vitamin B.
- Die Person war zur richtigen Zeit am richtigen Ort.
- Die Person hat Glück bei der Firmenwahl gehabt.
⏰ Gut Ding will Weile haben
Erwarte keinen Reichtum über Nacht. Für meinen Werdegang von ca. 800€ Brutto zu 15.000€ Brutto habe ich knapp 10 Jahre gebraucht. Gut, ich bin jetzt nicht die Baseline dafür. Geht es schneller? Mit Sicherheit. Aber bleib realistisch. Hier ist Ausdauer gefragt.
- Man wird nicht über Nacht reich.
- Hört auf, Online-Kurse zu kaufen, die auf TikTok, Instagram oder YouTube beworben werden und euch zeigen sollen, wie ihr an die schnelle Kohle kommt. Die Person dahinter verdient ihr Geld, nicht ihr.
⚠️ Risiko wird belohnt
- Der Preis für einen sicheren und unkündbaren Job ist ein niedriges* Gehalt. (*) Niedrig ist natürlich relativ und kann für jeden etwas anderes bedeuten.
- Alternative: man arbeitet solange im Unternehmen, dass man eine hohe Führungsposition einnimmt.
- Risiko, z.B. in Form einer Selbstständigkeit wird hingegen mit einem außerordentlich hohem Gehalt belohnt. Dafür kannst du jederzeit rausgeschmissen werden…
🚫 Arbeitskollegen sind nicht deine Freunde!
Harte Aussage, aber: pass auf, wem ihr was erzählt. Am Ende kann und wird alles gegen euch verwendet werden. Viele knicken unter Druck zusammen, verraten einen für den eigenen Vorteil, lästern mit anderen über euch und lachen euch dann ins Gesicht.
Muss natürlich nicht immer so sein - aber genauso wie “Gelegenheit Diebe macht”, sollte man generell keine offene Angriffsfläche bieten können.
Die Erfahrung durfte ich bereits machen. Bei mir waren es u.a. Arbeitskollegen, die Pläne usw. ggü. meinem damaligen Chef verraten haben, um sich in eine bessere Position zu bringen. Daraus habe ich auch für mich mitgenommen, künftig neutraler zu agieren.
🤝🏻 Hilfsbereitschaft
- Jeder möchte gehört werden, jeder möchte sich wertgeschätzt fühlen. Erreichen tut man dies bereits ganz einfach im täglichen E-Mail-Verkehr:
- Erledigt kleinere Anfragen/Aufgaben, die per Mail reinkommen, umgehend. Die Kollegen werden überrascht sein, wie schnell auf ihre Anfragen reagiert wurde. Sie fühlen sich wertgeschätzt und ihr hinterlasst einen guten Eindruck.
- Bei mittleren/größeren Anfragen/Aufgaben reicht es, eine Mail zurückzuschreiben mit der Info, dass ihr euch zeitnah um das Anliegen kümmert. So weiß die Person Bescheid, dass ihr die Anfrage wahrgenommen habt. Dies nimmt die Sorge der Leute, dass die Nachricht vielleicht nicht angekommen oder total untergegangen ist.
- Versetzt euch einfach in den Fall, dass ihr euch mit einem Anliegen an eine Firma wendet, z.B. weil ihr Hilfe bei einer Bestellung braucht. Seid ihr da nicht auch positiv überrascht, wenn ihr sehr zeitnah eine Rückmeldung bekommt?
🤝🏻 Verlässlichkeit
Verlässlichkeit ist das A und O. Man muss sich einfach auf Kollegen verlassen können und es sollte stets euer Anspruch an euch selbst sein. Halten sich da alle dran? Natürlich nicht. Langfristig wird es euch aber weiterbringen.
So hatte sich meine damalige Chefin für mich beim Management eingesetzt, mich trotz massiver Personaleinsparungen zu halten mit den Worten: “bitte nehmt ihn mir nicht weg, ich kann mich zu 100% auf ihn verlassen”.
💪🏻 Ihr braucht ein “Standing”
Leider zu oft bei Kollegen gesehen: sie performen nicht in Bewerbungsgesprächen, Projektinterviews usw. Warum? Weil sie kein “Standing” vermitteln. Was ist damit gemeint?
- Sie wirken nicht durchsetzungsfähig
- Sie wirken hilflos und unbedarft
Wir Menschen haben sofort ein Gespür dafür, ob jemand ein “Macher” ist, sich durchsetzen kann und nicht vor Risiken zurückschreckt. Ausschlaggebend dafür können nicht nur gesagte Worte in Interviews sein, sondern auch die Mimik und Gestik der Person. Wie sitzt sie da? Hält sie Augenkontakt? Wirkt sie unsicher?
Gerade in Berufszweigen, in denen Kommunikation wichtig ist, muss man sich durchsetzen können. In meiner Rolle als Business Analyst muss ich z.B. Geschäftsprozesse analysieren und Konzepte erstellen. Dafür muss ich mit sog. “Stakeholdern” sprechen, also Menschen, die besonderes Wissen in einem Gebiet haben wie Abteilungsleiter, Projektmitarbeiter usw. Denen muss ich Informationen entlocken indem ich sie interviewe und durch Workshops begleite. Auf der anderen Seite erstelle ich Konzepte, die ich präsentiere und teils auch verteidigen muss. D.h. ich sage nicht zu allem “Ja” und “Amen”, sondern widerspreche auch, wenn ich anderer Meinung bin. “Pushy” sein ist hier der englische Begriff - auch mal nachbohren, erinnern wenn keine Rückmeldung kommt usw.
In Bewerbungsgesprächen, z.B. für Projekte, bin ich recht pushy und frech - aber immer freundlich dabei. Da fallen schonmal Sätze wie “Wie genau kann ich euch helfen und was wollt ihr von mir?”. Verlagert die Dynamik ein wenig nach dem Motto: “Wieso sollte ich euch bei euch anfangen und nicht bei einem anderen Projekt?”.
Ich hatte umgehend nach meinen Projektinterviews immer die Zusage - “wir wollen mit ihm zusammenarbeiten”.
🤑 Verhalten in Gehaltsverhandlungen
So ein leidiges Thema. Hier treffen zwei Fronten aufeinander:
- Ihr wollt mehr Geld.
- Euer Vorgesetzter weiß, dass ihr mehr Geld wollt, und versucht sich dagegen zu wehren.
Wie löst man diese Situation auf? Es wird definitiv eine Verhandlung. Ihr wollt eine Wertschätzung für eure geleistete Arbeit, ein Stück mehr vom Kuchen - euer Chef möchte sehr ungern mehr vom Kuchen abgeben aber trotzdem volle Leistung.
Wie ich bisher, erfolgreich, damit umgegangen bin:
- Ich habe meinen Wunsch nach mehr Gehalt immer in meinen Jahresgesprächen thematisiert. Traut euch hier! Ja, es ist unangenehm. Aber ohne solch ein Gespräch bekommt ihr nichts. Erwartet nicht, dass euer Chef von selbst auf die Idee kommt. Niemand will freiwillig mehr Geld abgeben für die Arbeit, die ihr eh schon ständig leistet.
- Geht mit einer konservativen Zahl in die Verhandlung. Nicht astronomisch hoch aber auch nicht zu niedrig. Behaltet im Hinterkopf, dass euer Chef das Gefühl braucht, euch runtergehandelt zu haben. Setzt daher etwas höher an um dann nach dem Runterhandeln in die Nähe eures Wunschgehalts zu kommen.
- Habt eine Begründung für euren Wunsch nach mehr Geld, z.B. habt ihr erfolgreich Projekte umgesetzt, mehr Arbeit übernommen, wart nie krank, seid verlässlich usw.
Mein Chef hat mir eine Zahl genannt, wie soll ich mich verhalten?
- Falls er während eures Gesprächs von sich aus eine Zahl nennt, ohne vorher nach eurem Gehaltswunsch gefragt zu haben…
- und die Zahl ist weit unter eurem Wunsch: teilt es mit. “Oh ok…ich hatte hier aber eher an Summe “XXX” gedacht. Da sind wir aber weit auseinander”.
- und die Zahl ist über eurem Wunsch (unrealistisch): haltet bloß die Fresse 😀 Tut unbeeindruckt, “ja akzeptabel”. Es soll nicht der Eindruck entstehen, als würdet ihr jetzt viel zu viel bekommen - dies wird euch die nächsten Jahre bei weiteren Gesprächen immer nachhängen und als Vorwand genommen, euch nicht mehr zu geben.
- Falls er euch vorher nach eurem Wunschgehalt gefragt hat…
- und jetzt kontert bzw. dem nicht nachgehen kann/möchte und euch eine Zahl unterhalb eures Wunschgehalts nennt, dann macht folgendes:
- akzeptiert es (erstmal)! Ja, richtig gelesen. Werdet nicht sauer, geht nicht in eine Abwehrhaltung. Sagt etwas in der Art: “OK, zufrieden bin ich damit nicht aber ist in Ordnung”. Suggeriert, als wäre die Thematik damit für euch abgeschlossen. Darauf gehe ich gleich nochmal ein.
- und euer Wunschgehalt akzeptiert wird: dann habt ihr auch reingeschissen 😀 Glückwunsch, ihr hättet viel mehr rausholen können. Wenn euer Chef nicht mal ne Miene verzieht und sich wehrt, dann ist er hingegen sehr erleichtert und es tut absolut nicht weh. Da wäre mehr gegangen. Nehmt die Erfahrung mit aber seid auch zufrieden. Letztendlich habt ihr mehr Geld rausgehandelt und das ist ein toller Erfolg. Mehr geht immer aber man sollte auch mal zufrieden sein (für den Moment).
Zurück zum Punkt, in dem ihr den Konter eures Chefs akzeptiert habt. Wieso solltet ihr dies machen?
- In einem Streit bringt es nichts, wenn beide Parteien sich streiten.
- Die Art und Weise, wie ihr akzeptiert, ist hier entscheidend. Ihr signalisiert damit eine gewisse Gleichgültigkeit und nehmt der Situation auch die Macht.
- Dahinter ist eine wichtige psychologische Komponente: für euren Vorgesetzten wird es sich nicht wie einen “Sieg” anfühlen. Wieso hat der Mitarbeiter so schnell kapituliert? Wieso gab es keinen Kampf?
- Danach gehen die Überlegungen los: “Verliere ich den Mitarbeiter?”, “Hat er jetzt innerlich gekündigt?”, “Schaut er sich jetzt nach einem anderen Job um?”.
- Ihr dürft niemals bedürftig wirken - ganz im Gegenteil. Eher so, als könntet ihr jederzeit einen neuen Job haben und diesen auch annehmen.
- Lasst eurem Chef danach auch Zeit. Erwartet nicht, dass eurem Wunsch sofort nachgegeben wird. Geht, macht eure Arbeit und lasst euch nichts anmerken.
In meinem Fall war es dann auch meist so, dass nach Wochen, von meinem Chef, der Wunsch nach einem Gespräch kam und ich meine Gehaltserhöhung bekam 🙂
🚫 Absolute No-Go´s:
- Mit einer Kündigung drohen - auf diese Art und Weise könnt ihr euch nicht mehr Geld “erpressen”. Und selbst wenn, danach ist das Arbeitsverhältnis komplett gestört.
- Betteln - erniedrigt euch nicht. Ihr macht euch lächerlich.
- Wütend werden - wer emotional reagiert hat verloren.
- Keine Taten folgen lassen - wenn ihr wiederholt nicht mehr bekommt, ja dann solltet ihr kündigen. Aber ohne große Vorankündigung. Job suchen, Vertrag unterschreiben, einfach die Kündigung hinlegen. Auf Worte auch Taten folgen lassen. Alles andere ist auch nur lächerlich. Zu oft hört man “dann bin ich weg”, “ich kündige” usw. und dann sind die gleichen Leute nach Jahren immer noch da. Sowas registrieren auch Vorgesetzte über den Flurfunk und geben dann nichts mehr darauf, wenn ihr unzufrieden seid.
- Beleidigt sein und danach die Arbeit boykottieren - lasst nicht eure Arbeitskollegen etc. darunter leiden. Weder die, noch eure Kunden usw. können etwas dafür. Ihr seid unzufrieden ok, sucht euch einen neuen Job. Gebt keinem die Gelegenheit, euch abzumahnen usw. Ich habe auch nach meiner Kündigung (aus Unzufriedenheit), trotzdem noch voll durchgezogen, habe nicht krankgemacht und alles sauber übergeben. Am Ende wurde ich mit viel Wertschätzung verabschiedet. Nicht immer liegt es in der Macht eures direkten Vorgesetzten, euch zu helfen, auch wenn er es gerne würde.